Moabit, der Ortsteil im Herzen Berlins, ist Heimat für über 80.000 Menschen. Auch wenn viele der hier Lebenden ursprünglich aus einer anderen Heimat kommen – aus einem anderen Bezirk, einer anderen Stadt oder einem anderen Land.

Ein Teil von ihnen stellt sich hier vor. Wer möchte, kann sich beteiligen. Es geht um die “ganz normalen” Menschen im Kiez, unabhängig, ob sie wirklich “normal” sind oder eher nicht. Heimat Moabit möchte einen Querschnitt derjenigen abbilden, die in Moabit wohnen, arbeiten oder hier was anderes zu tun haben.
Bei Interesse schicken Sie eine Nachricht, gerne schon einen Text, am liebsten mit Foto. Es gibt allerdings keine Garantie der Veröffentlichung.
Gleichzeitig ist Heimat die vertraute Gegend – die Straßen, Geschäfte, Parks, die Geschichte. Auch all das wird hier vorgestellt.

Moabit und seine Geschichte

“Misstraut den Grünanlagen” schrieb der Schriftsteller Heinz Knobloch einst als ersten Satz seines Romans “Herr Moses in Berlin” über den kleinen Jüdischen Friedhof in Mitte, der zu DDR-Zeiten zum Park wurde. Viele Orte in Berlin sind nicht so harmlos, wie sie aussehen. Manche haben eine grausame Vergangenheit. Was bei Knobloch der Park war, ist in Moabit ein Spielplatz: Zur NS-Zeit stand dort ein Sammellager, von dem aus Juden zur Ermordung nach Auschwitz, Theresienstadt, Riga deportiert wurden.

Orte haben eine Geschichte, wenn auch meist nicht solch eine schlimme. Wenn wir heute durch Moabit gehen, wissen wir, wo die U-Bahn-Stationen sind, wir haben unsere Wege, kennen unsere Einkaufsmöglichkeiten. Dass aber unsere Arztpraxis einst eine Wohnung war, in der Zwangsarbeiter eingesperrt waren, dass wir heute im Park über den Trümmern joggen, die in den 1950er Jahren aus den Kriegsruinen aufgeschüttet wurden, das ist uns nicht bewusst.

Mit dieser Website möchte ich erreichen, dass sich die Menschen, die in Moabit leben oder arbeiten, ein wenig mehr für die Geschichte und die vielen Geschichten unseres Stadtteils interessieren. Die Geschichte ist älter als wir und bevor wir hier geboren wurden oder hergezogen sind, gab es viele Generationen, die hier gelebt haben und die Moabit geprägt haben. Viele haben sich hier für ihren Ort, für ihre Arbeit, für ihr Leben eingesetzt. Manche wurden von den Säbeln preußischer Offiziere niedergemetzelt, andere von der SA erschossen oder von alliierten Bomben getötet.

Man muss etwas tun, um sein Leben und seine Umgebung zu verbessern. Heute riskiert man damit nicht mehr sein Leben, aber nötig ist es noch immer. So gibt es in Moabit Initiativen, die sich um die Rechte von MieterInnen kümmern. Andere helfen denjenigen, die vor dem Krieg in ihrem Land geflüchtet sind und hier in der Fremde neu beginnen müssen. Es gibt Initiativen, die daran erinnern, wohin Hass und Gewalt geführt haben und wieder führen könnten. Vereine helfen Obdachlosen, sorgen sich um das Stadtklima und die Bäume oder Kinder, die in der Schule nicht schnell genug mitkommen. Manche verteilen Lebensmittel an Bedürftige, andere organisieren kleine Kinovorstellungen, Seniorentreffen, Feste, Sportveranstaltungen. Es waren Bürgerinitiativen, die den Bau einer Autobahn durch Moabit verhindert haben. Eine andere kümmerte sich lange darum, dass ärmere Kinder Weihnachtsgeschenke bekommen.

Es gibt so viele Möglichkeiten, das eigene Leben dadurch zu bereichern, indem man seine Umgebung mitgestaltet, Menschen hilft oder mit anderen zusammen etwas Neues aufbaut. Moabit ist unsere Heimat, auch wenn die Wurzeln oft woanders liegen. Wer die Geschichte des Ortes kennt, wer sich mit ihm identifiziert, hat hier viele Möglichkeiten, ihn zu verbessern. Dazu soll diese Website einen kleinen Beitrag leisten.

Über mich

Wie viele MoabiterInnen bin auch ich zugezogen. Im Jahr 2000 kam ich nach Moabit, weil ich wieder mal auf der Suche nach einer neuen Bleibe war. Ein Kollege wanderte nach Kenia aus und suchte einen Nachmieter. Wenige Tage später hatte ich die Wohnung, klein aber billig. So leicht funktioniert es heute nicht mehr.

Damals konnte ich mir nicht vorstellen, dass man auch außerhalb Kreuzbergs zufrieden leben kann, dort war ich ja in dritter Generation verwurzelt. Aber nach und nach lernte ich Moabit kennen, die schönen und weniger schönen Orte. Bald war ich versöhnt und langsam entstand mehr. Noch kein richtiges Heimatgefühl, aber doch eine Ahnung davon. Der Moabiter Charme, den viele andere als ruppig bezeichnen würden, erinnerte mich oft an Kreuzberg.

Heimat ist auch dort, wo man „seine Leute“ hat. Die Nachbarn natürlich, Bekannte, irgendwann Freunde, auch Liebschaften. Als die beiden alten Ehepaare begannen mich zu duzen, die damals noch den kleinen Edeka am U-Bhf. Birkenstraße betrieben, wusste ich, dass ich nun hier angekommen bin.

Vor mancher Entwicklung in Moabit habe ich Angst, auch weil ich nicht viel verdiene und nicht möchte, dass meine nächste bezahlbare Wohnung erst in Staaken oder Marzahn zu finden ist (sorry, Staakener und Marzahner, nichts gegen Euch!). Aber dort gibt es eben manches nicht, weshalb ich Moabit so mag. Ob es der kleine Wasserfall mitten im Kiez ist. Oder der alte Buchladen, der mich regelrecht einsaugt, wenn ich auch nur in die Nähe komme. Der Radiojunge, der jetzt schon ein Mann ist. Oder die liebe Rentnerin, die schon fast ihr Leben lang im gleichen Haus lebt.
Ja, mittlerweile ist Moabit meine Heimat.