Denkmäler

Ein Denkmal kann eine gute Sache sein. Allein der Name – Denk mal – weist bereits auf die Funktion hin, Menschen zum Denken, zum Nachdenken zu animieren. Meistens beziehen sich Denkmäler auf vergangene Vorkommnisse oder Menschen, die diese geprägt haben. Und oft werden sie sehr unterschiedlich beurteilt. So war es im Sommer 2020, als an der Ecke Bremer und Birkenstraße das Denkmal für die „Trostfrauen“ aufgestellt wurde. Eine Korea-Initiative erinnerte damit an die Zwangsprostitution im Zweiten Weltkrieg am Beispiel der japanischen Armee. Etwa 200.000 Mädchen und Frauen waren die Opfer. Doch selbst 75 Jahre nach Ende des Kriegs sorgte dieses Denkmal für Wirbel. Sogar aus dem Tokioer Außenministerium kamen Proteste. Das hat sicher auch mit der nicht aufgearbeiteten Kriegsschuld des ehemaligen Kriegsaggressors Japan zu tun.

Ebenfalls an den Krieg, bzw. das Militär erinnern noch Denkmäler in der Zille-Siedlung. Hier steht ein militärischer Gedenkstein an zentraler Stelle. Gleichzeitig wurden aber in den 1980er Jahren mehrere kritische Denkmäler im Viertel aufgestellt, die sich darauf beziehen.

Gleich daneben, im Fritz-Schloß-Park, wird ein steinerner Würfel von den meisten Spaziergängern ignoriert. Er weist darauf hin, dass der Park und sein Hügel nach dem Krieg von den Trümmerfrauen aufgeschüttet wurden.

An die gleiche Zeit erinnert das beeindruckende Denkmal in der Levetzowstraße. Dort stand an der Ecke zur Jagowstraße eine der größten Synagogen Berlins. Sie wurde von den Nazis zum Sammellager für die Juden umfunktioniert, die dann in die Konzentrationslager deportiert und dort ermordet wurden. Das Denkmal mit der stilisierten Gruppe Menschen, die gefesselt in einen Güterwaggon drängen, die große Flammenwand mit den Daten der Deportationszüge, die Bodenreliefs mit Bildern der damaligen Berliner Synagogen – all dies ist ein beeindruckendes Mahnmal. Was weniger auffällt ist, dass die Bepflanzung des dahinterliegenden Spielplatzes die Außenmauern der Synagoge nachzeichnet und dass die im Boden eingelassenen Schienen zum ersten Gedenkort führen, der nach dem Krieg eingerichtet wurde. Seit 2020 prangt an der Brandmauer direkt neben dem Denkmal ein Wandbild von Anna Schubert, es zeigt stilisiert die Eingangssäulen der Synagoge.

Kein Denkmal im üblichen Sinne, aber ein Gedenkort, sind die 20 Bäume an der Ellen-Epstein-Straße. Zwischen Discounter und Baumarkt markieren sie seit Juni 2017 das andere Ende des Deportationswegs. An dieser Stelle lagen drei Gleise, auf denen die Züge in die Konzentrationslager und Ghettos abfuhren.

Am Magnus-Hirschfeld-Ufer dagegen wachsen metallene Blumen in den Himmel. Sie sind das Denkmal für die erste homosexuelle Emanzipationsbewegung. Hirschfelds Institut an der Spree war eines der ersten, die von den Nazis geschlossen und zerstört wurden.

Weniger einfallsreich ist der bronzene Kopf, der im Carl-von-Ossietzky-Park Alt-Moabit an seinen Namensgeber erinnert. Weitere Köpfe findet man auf dem ehemaligen Bolle-Gelände, in der „Straße der Erinnerung“. Dort werden elf Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur und Politik geehrt, die „Großes geleistet und für Freiheit und Menschenwürde eingetreten sind.“ Die Auswahl mutet etwas beliebig an und dass einen dort auch der Rechtsbeuger Helmut Kohl anschaut, mindert doch den Wert dieser Sammlung.
Die anderen Persönlichkeiten sind Albert Einstein, Georg Elser, Ludwig Erhard, Albrecht Haushofer, Käthe Kollwitz, Thomas Mann, Ludwig Mies van der Rohe, Edith Stein, Walther Rathenau und Konrad Zuse.