Großmarkt Beusselstraße

An der Nordwest-Ecke Moabits liegt zwischen Bahngleisen, Westhafenkanal, Charlottenburger Verbindungskanal, Autobahn und Westhafen eine eigene Stadt: Der Berliner Großmarkt an der Beusselstraße. Und auch wenn dieser Standort nicht so alt ist, begann die Geschichte des Marktes bereits im 19. Jahrhundert. Damals betrieb die Gesellschaft in Berlin elf Markthallen. Mit einer Ausnahme befanden sie sich alle auf dem Gebiet der heutigen Bezirke Mitte und Kreuzberg-Friedrichshain. Sitz der Gesellschaft war an der Zentralen Markthalle am Alexanderplatz, die wie die meisten der Hallen im Krieg zerstört wurde.

1949 öffnete der Großmarkt dann erst in Mariendorf und zog 1965 auf das heutige Gelände an der Beusselstraße. In den Folgejahren wurde er immer mehr ausgebaut. Es entstanden neue Hallen und Verwaltungsgebäude, der Obst- und Gemüsemarkt, der Fleischgroßmarkt. 1975 kam der Neubau der „Deutschen See“ dazu, 1987 eine neue Halle des Fruchthofs. Dieser Fruchthof ist seit Anfang an zentraler Punkt innerhalb des Großmarktes.

Seit 2010 gibt es auf dem Gelände einen weiteren Bereich, den Blumengroßmarkt. Er befand sich ursprünglich 88 Jahre lang in Kreuzberg an der Lindenstraße. Heute gehört die alte Halle zum Jüdischen Museum, das sich gleich auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet.

Vom Berliner Großmarkt aus werden nicht nur unzählige Geschäfte innerhalb der Stadt beliefert, sondern auch Brandenburg und Teile von Mecklenburg-Vorpommern. Die Gesellschaft betreibt zudem auch wieder zwei Markthallen, darunter die Arminiushalle in Moabit.

Auf 320.000 Quadratmetern beherbergt der Großmarkt etwa 300 Handelsfirmen, 2.500 Menschen arbeiten hier. Deren Arbeitszeit beginnt teilweise schon um 2 Uhr in der Nacht, erst im Fruchtmarkt, um 4 Uhr folgt der Blumengroßmarkt, um 6 Uhr der Fleisch- und Fischmarkt. LKWs bringen ihre Ladung rund um die Uhr, für sie gibt es sogar eine eigene Waschanlage. Zwar existiert noch ein einzelnes Gleis mit direkter Verbindung zum Westhafen, aber darüber werden längst keine Waren mehr angeliefert.

Doch der Großmarkt besteht nicht nur aus den großen Hallen, in denen die Einzelhändler einkaufen. Es gibt eine ganze Reihe von zusätzlichen Firmen, die das Gewerbe mit am Laufen halten, wie Steuerberater, Caterer, Logistikfirmen und Speditionen. Auch die Berliner Tafel hat hier ihren Sitz.

Die Großmarktbetreiber betonen, dass ihnen ein nachhaltiger Umgang mit Energie wichtig ist. Deshalb die Umstellung auf Ökostrom, Modernisierung der Kälte- und Wärmeversorgung der einzelnen Hallen, Installierung einer Solarstromanlage. Auch sollen die Fahrzeuge durch Elektroautos ersetzt werden.

Wie so viele Orte in Berlin, hat auch dieser eine finstere Vergangenheit. In der zweiten Hälfte der NS-Zeit befanden sich auf dem Gelände Zwangsarbeiterlager verschiedener Industriebetriebe der Umgebung. Vor allem Telefunken, Siemens & Halske sowie Ludwig Loewe haben hier mindestens 2.200 Menschen untergebracht, teilweise unter freiem Himmel. Sie fanden während der Bombardierungen Berlins keinen Schutz, viele von ihnen wurden getötet.

Foto: Fruchthof Berlin, CC-BY-SA 4.0

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