Die Königlich-Preußische Pulverfabrik

Vor 300 Jahren begann in Moabit erstmals eine größere Produktion. Später würden hier auch richtige Industrien entstehen, aber das sollte noch dauern. Den Anfang machte König Friedrich II., der später “der Alte Fritz” genannt wurde. Er befahl die Anlage einer Königlichen Pulverfabrik zur Herstellung von Schießpulver für die Preußische Armee. Diese wurde direkt an der Spree errichtet, etwa dort, wo sich heute der Washingtonplatz am Hauptbahnhof befindet. Im Jahre 1717 entstanden dort die Pulvermühlen, in denen aus Salpeter, Schwefel und Holzkohle Schießpulver hergestellt wurde.

Die Zutaten wurden bei der Herstellung auf einen Marmorstein geschüttet und zwei sogenannte Läufersteine, ebenfalls aus Marmor und jeweils 5 Tonnen schwer, rollten darüber, von Pferden gezogen. Diese Art von Mühlen wurde auch Rossmühlen genannt.

Anfangs entstanden so 75 Tonnen Schießpulver im Jahr, schließlich bis zu 300 Tonnen. Aus Sicherheitsgründen wurden die einzelnen Gebäude mit einem größeren Abstand zueinander errichtet. Insgesamt gab es hier 16 Mühlen. In einer Ortsbeschreibung von 1786 ist zu lesen: Neben dem Wachhaus befanden sich “Kohlenbrennarey, und drey Holzschuppen nebst Kohlenhaus, wo die Kohlen zum Pulver gebrannt werden”. Die 16 Rossmühlen waren in acht Häusern untergebracht, insgesamt gab es etwa 30 Gebäude.

Die Einlagerung des fertigen Pulvers erfolgte in Magazinen. Das waren Bunker, die von Erdwällen umgeben waren und über einen größeren Bereich verteilt war. Außerdem gab es Pulvertürme, viele von ihnen im Berliner Stadtgebiet, was jedoch keine gute Idee war. Am Pulverturm nahe des späteren Hackeschen Marktes kam es am 12. August 1720 zu einer Explosion, 84 Menschen wurden getötet, darunter 35 Kinder in der danebenstehenden Garnisonschule. Innerhalb der folgenden hundert Jahre gab es noch mindestens acht solcher Unglücksfälle innerhalb Berlins. Und auch in den Pulvermühlen und den Magazinen in Moabit kam es immer wieder zu solchen Unglücksfällen mit Toten und Verletzten.

Die Arbeiter der Moabiter Pulvermühlen genossen einige Privilegien. Sie wohnten mietfrei oder erhielten Mietzuschüsse, die ärztliche Behandlung für sie und ihre Familien war kostenfrei, ebenso die Versorgung mit Medikamenten. Mehr als 80 Jahre lang war die Königlich-Preußische Pulverfabrik in Moabit die einzige Pulvermühle Preußens. Aufgrund der zunehmenden Besiedlung wurde sie 1830 vor die Zitadelle Spandau verlegt, etwa auf das Gelände des heutigen BMW-Motorradwerks.

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